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17. – 18. Oktober 2013: Tagung “Formwerdung und Formentzug”

Formwerdung und Formentzug

Tagung

Berlin, 17. – 18. Oktober 2013

Kolleg-Forschergruppe Bildakt und Verkörperung
Humboldt-Universität Berlin

Veranstaltungsorte:
17.10.: Hörsaal 1.101, Dorotheenstr. 24/Hegelplatz
18.10.: Hörsaal im Grimm-Zentrum, Geschwisterschollstr. 3

Programm als pdf

Programm

Donnerstag, 17. Oktober 2013
Abendvortrag
19.00 Uhr c.t. Georges Didi-Huberman (Paris)
The Dislocation of Forms Leads to the Dislocation of Thought:
On Bataille, Einstein, and Picasso

Freitag, 18. Oktober 2013

Vom Chaos zur Form
9.30 Raphael Rosenberg (Wien): Labile Formfindung als ästhetischer Genuss
10.15 Yannis Hadjinicolaou (Berlin): Nah vs. Fern? Farbauftrag und
Formwerdung

11.00–11.30 Pause

11.30 Valeska von Rosen (Bochum): Velazquez’ Poiesis. Das Porträt
des Bildhauers Juan Martínez Montañes
12.15 Horst Bredekamp (Berlin): Karl der Große und der Fluxus von
Wasser und Licht

13.00–14.30 Mittagspause

Von der Form zum Chaos
14.30 Kassandra Nakas (Berlin): „… cette fuite mollasse de la substance“ – Verflüssigung als ästhetische Kategorie
15.15 Franz Engel (Berlin): Verflüssigung und Formentzug: Aspekte
der Glas-Ikonologie

16.00–16.30 Pause

16.30 Dietmar Rübel (Dresden): Das Als-ob der Formlosigkeit und
die Fotografie
17.15 Gottfried Boehm (Basel): Form und Schematismus

18.00 Abschlussdiskussion

Der Prozess der Formung beginnt mit der Auseinandersetzung mit dem Chaos, einer immer wieder aktualisierten Anspielung auf die göttliche Schöpfung. Dieser Topos des Anfangs – das weiße Blatt Papier, die kalte Tonmasse oder die klaffende Baulücke – war seit Plinius ein zentrales Element des Sprechens über Bilder und fand in der Kunsttheorie Albertis, Leonardos oder auch Karel van Manders und Samuel van Hoogstratens ihre Fortsetzung. Die produktive Spannung zwischen Chaos und Form und die Thematisierung des Bildprozesses wird in der Rolle des Zufallsprinzips zu einem Paradigma erhoben, der schon seit der Antike der Bildgenerator per se war. Dazu spielen einerseits die Frage einer „Entdeckung“ der Abstraktion sowie das Konzept der Enargeia eine zentrale Rolle.

Kein Gegenstand kann ohne Form gedacht werden. Diese scheinbar unwiderlegbare These bewegte viele Künstler dazu, sich der paradoxen Aufgabe zu stellen, den Dingen die Form zu entziehen. Die Frage des Formentzugs, der Formnegation und der Formdestruktion rückte erst vergleichsweise spät ins Zentrum künstlerisch gestalterischen Interesses. Die materialästhetische Debatte des Formlosen steht von Beginn an unter der Bedingung dessen, dass Materie an sich formlos ist. „Formlos“ bedeutet hierbei allerdings nicht die absolute Privation der Form, sondern lediglich das Fehlen von Spuren menschlichen Eingriffs. Die Gegenthese zu dieser materialästhetischen Betrachtungsweise sieht hingegen das Formlose immer schon unter der Bedingung einer höchst artifiziellen Formung an. Ein ernst gemeinter „Amorphismus“, der versucht, den Dingen ihre Form zu entziehen, muss den Prozess einer Formung durchlaufen, um ihn dann wieder zunichte machen zu können. Dem Rückzug der Form muss ein Aufmarsch vorangegangen sein.