Kolleg-Forschergruppe Bildakt und Verkörperung » Historische Anthropologie der Bilder

Historische Anthropologie der Bilder

Historische Anthropologie der Bilder

Leitung: PD Dr. Jörg Trempler, Kooperationspartner: PD Dr. Claus Zittel, Dr. Robert Felfe

Der Forschungsschwerpunkt zur historischen Anthropologie der Bilder befaßt sich mit dem Verhältnis von Bild und Verkörperung in historischer Perspektive. Auf dem Fundament aktueller Forschungen wird Denken und Bilden zusammengezogen. Es wird also nicht zunächst ein Bild gedacht und dann in einem zweiten Schritt in einen Bildträger abgebildet, sondern dieser Prozeß vollzieht sich dialogisch. Die Hand – so der »extended mind« Gedanke – vollzieht eine Handlung, die nicht vollständig im Hirn gesteuert wird. Dieser Prozeß, der von Künstlern häufig beschrieben wurde, gilt auch für Bilder, die nicht im künstlerischen Diskurs stehen, sondern im Gegenteil sich sogar gegenüber künstlerischen Prinzipien versperren. Gleichwohl werden im wissenschaftlichen Bereich auch Bilder benutzt, die ebenfalls nicht alleine abbildend, sondern darstellend sind. Diese hat Ian Hacking als eine Grundeigenschaft des Menschen beschrieben und ihn daher konsequent als »homo depictor« bezeichnet.
Im Forschungsschwerpunkt »Historische Anthropologie der Bilder« wird auf diesem Fundament danach gefragt, was sich in der zeitlichen Perspektive verändert, wenn sich die Darstellungsart wandelt. Stellt der »homo depictor« im historischen Abstand Dinge der Außenwelt anders dar, betrifft das nicht alleine Fragen des Stils, also der Art und Weise wie dieselben Dinge in historischer Entwicklung anders dargestellt werden, sondern über ihre bildliche Aneignung die Dinge selbst. In einem Bildakt wird die Wirklichkeit durch das Mittel der Darstellung konstruiert. Die Geschichte der Bilder kann in diesem Sinne Aufschluß über die Geschichte der menschlichen Bemühungen aufzeigen, um das zu konstruieren, das wir Wirklichkeit nennen.