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Die Kolleg-Forschergruppe

Wer wir sind

Die Kolleg-Forschergruppe „Bildakt und Verkörperung“ zielt auf eine Transformation der Abbild- zu einer Bildakttheorie. Inhaltliche Schwerpunkte bilden die Untersuchung der besonderen Form von Bildern, das Phänomen ihrer Lebendigkeit sowie die Substitution von Körper und Bild. Diese Themen werden durch zwei Forschungsperspektiven im Verbund untersucht: die „Theorie des Bildakts“ (Prof. Bredekamp) und die „Verkörperungstheorie“ (Prof. Krois) (†). Die Kolleg-Forschergruppe ist assoziiert mit dem Institut für Philosophie und dem Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt Universität zu Berlin. Das Ziel der Forschergruppe wird durch eine Reihe von Fallstudien angestrebt, die in enger Kooperation zwischen den Disziplinen Kunstgeschichte und Philosophie entstehen. Da die Ergebnisse nicht auf einzelne Epochen oder methodische Fragestellungen begrenzt sind, wurden exemplarische Beispiele von den ersten Bildern überhaupt bis hin zu zeitgenössischen Werken ausgewählt. Analog verfahren die philosophischen Ansätze, die erkenntnis-, emotions- und handlungstheoretische Probleme miteinander verbinden. Es geht nicht um die medienspezifische Abgrenzung von alten oder neuen Bildverfahren, sondern um historisch begründete Praktiken der Bilder von der Höhlenmalerei bis zu computergestützten Simulationsverfahren der Gegenwart und hiermit verbundener kognitionswissenschaftlicher Überlegungen.

Sprecher & Geschichte

Die erfolgreiche Einrichtung der Kolleg-Forschergruppe ist das Ergebnis einer mehr als fünfzehn Jahre zurückreichenden, kontinuierlichen Diskussion, seit beide Antragsteller gemeinsam Fellows des Wissenschaftskollegs zu Berlin waren (1991/1992). Durch die Berufung sowohl von Horst Bredekamp als auch John Michael Krois (†) an die Humboldt-Universität war es zunächst auf informelle Weise möglich, Fragen des Bildes und der Theorien der Verkörperung zu diskutieren. Ihre parallelen Interessen, besonders an der kunst- und kulturtheoretischen Arbeit des Kreises um Aby Warburg (Erwin Panofsky, Ernst Cassirer u.a.), brachten sie wiederholt in Kontakt. Im Februar 1996 organisierten sie eine Tagung des Einstein Forums über ein Mitglied des Warburg Kreises (»Edgar Wind. Kunsthistoriker und Philosoph«), während der eingehend über die Theorie der Verkörperung als Basis der historischen Bildwissenschaft diskutiert wurde. Ihr Interesse an bildtheoretischen Fragen veranlasste sie im Sommersemester 1998 ein gemeinsames Hauptseminar mit dem Titel »Bild und Philosophie« zu geben, an dem Philosophen und Kunsthistoriker teilnahmen. Dabei wurden die Stellung von Bildern in der Philosophie sowie bildtheoretische Fragen von Platon bis Goodman eingehend besprochen. Diese Diskussionen wurden in der ersten bildwissenschaftlichen Fokusgruppe am Wissenschaftskolleg im Jahre 2004/05 fortgeführt. Krois (†) arbeitete in diesem Rahmen über Charles Pierce as Image Scientist, wobei es um Peirces verkörperungstheoretischen (pragmatischen) Ansatz ging. Aus diesen gemeinsamen Arbeiten ist die Idee zur Kolleg-Forschergruppe Bildakt und Verkörperung und ihre jetzige Struktur entstanden.

Struktur

Mit den Kolleg-Forschergruppen hat die DFG seit 2008 ein neues Förderungsformat eingeführt, das sich an Einzelforscher wendet und zentral auf sie zugeschnitten ist. Für die Humboldt-Universität waren Prof. Dr. Horst Bredekamp und Prof. Dr. John Michael Krois (†) mit dem Antrag für eine Kolleg-Forschergruppe »Bildakt und Verkörperung« in erster Runde erfolgreich. Eine Kolleg-Forschergruppe wird von besonders ausgewiesenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern geleitet, die über eine umfangreiche Erfahrung in der Durchführung von Forschungsprojekten verfügen. Gegebenenfalls gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen sollen sie ein Thema bearbeiten, das so weit gefasst ist, dass es, so der Wissenschaftsrat, »vorhandene Interessen und Stärken vor Ort aufgreifen und zugleich einen Rahmen für die Assoziation beziehungsweise Integration unterschiedlicher individueller Forschungsideen« bieten kann. Als besondere Orte der geisteswissenschaftlichen Forschung können die Kolleg-Forschergruppen ihr spezifisches Profil und ihre Ausstrahlungskraft insbesondere auch durch die bewusste Wahl für eine vergleichsweise offenere Fragestellung oder mit einem dezidiert experimentellen Charakter erlangen. Vor diesem Hintergrund sind Kolleg-Forschergruppen durch folgende vier Punkte definiert: 1. Das Förderinstrument richtet sich an besonders ausgewiesene Personen. Die Hauptantragsteller müssen für das gewählte Themengebiet »stehen« und eine hohe nationale und internationale Sichtbarkeit und Prägewirkung haben. 2. Kolleg-Forschergruppen sind durch Arbeitsformen gekennzeichnet, die nicht »äußere Zwänge« reflektieren sollen, sondern sich aus der Sache geisteswissenschaftlicher Forschung ergeben: Kein Zwang zur Größe, nicht projektförmig organisiert, vielmehr Vertiefung in die eigene forscherische Arbeit ermöglichend (und verlangend), eingebettet in intensiven Austausch und Gespräch mit Peers auf Augenhöhe, mit Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern und mit Foren über den engeren Kreis der Wissenschaft hinaus. 3. Kolleg-Forschergruppen sollen »Orte der Forschung« markieren, die für das jeweilige Thema sichtbar sind und Gravitationskraft entwickeln. Das wichtigste Instrument für diesen Punkt ist ein Fellow-Programm für Gäste aus dem In- und Ausland, die für eine Dauer von bis zu zwei Jahren eingeladen werden und über diese Zeit hinaus mit der Kolleg-Forschergruppe verbunden bleiben. 4. Kolleg-Forschergruppen sollen nicht um eng definierte Themen konstruiert sein, sondern um Themengebiete und Forschungsfelder.