Kolleg-Forschergruppe Bildakt und Verkörperung » Schriftenreihe

Schriftenreihe

Actus et Imago. Berliner Schriften für Bildaktforschung.

Herausgegeben von Horst Bredekamp

Bilder sind keine Abbilder, sondern erzeugen im Bildakt, was sie darstellen. Sie verfügen über eine handlungsstiftende Kraft und wirken selbst lebendig. Bildkompetenz lässt sich keineswegs ausschließlich aus der traditionell überbewerteten Visualität des Menschen ableiten: Menschen reagieren auch deshalb auf Bilder, weil ihr unbewusstes neurologisches Körperschema, das aus der Integration taktiler, propriozeptiver, vestibulärer, visueller und akustischer Informationen entsteht, durch Bildschemata affiziert wird. Diese neuere Erkenntnis der Kognitionswissenschaften entspricht älteren Vorgaben der Verkörperungsphilosophie, die eine genuine Tradition im europäischen Sprachraum hat. In den Studien der Reihe Actus et Imago wird eine Bild- und Verkörperungstheorie entwickelt, die in der Lage ist, Bildproduktion, Bildverstehen und Bildakte zu erklären. Im Ausgang vom belebten Leib leisten sie einen Beitrag zum Verständnis des menschlichen Reflexionsvermögens, das sich in ikonischen wie sprachlichen Formen und Interaktionen verkörpert. Weitere Informationen unter:
http://www.oldenbourg-verlag.de/akademie-verlag/actus-et-imago

Band 1 Sehen und Handeln

Herausgegeben von Horst Bredekamp und John Michael Krois

Sehen wird traditionell als passiver Prozess aufgefasst, der im Gehirn innere Bilder entstehen lässt, welche die Wirklichkeit repräsentieren. Handlungen werden hingegen in der Regel als aktive Prozesse verstanden, die von Subjekten gesteuert werden. Die Beiträge der Eröffnungstagung der Kolleg-Forschergruppe „Bildakt und Verkörperung“ erarbeiten in den Sektionen „Enaktivismus“, „Dynamik des Blickens“ und „Die Sicht auf die Dinge“ alternative Verständnisweisen von Visualität. Sie begreifen Sehen als eine Aktivität, die nicht nur das Gehirn, sondern den gesamten Körper einbezieht, permanent Wirklichkeit gestaltet und somit als Handlung verstanden werden kann. Mit Beiträgen von Alex Arteaga, Horst Bredekamp, Frank Fehrenbach, Shaun Gallagher, Bettina Gockel, Dan Hutto, Sybille Krämer, John Michael Krois, Helmut Pape, Eva Schürmann und Claus Zittel.
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Band 2 John M. Krois Bildkörper und Körperschema. Schriften zur Verkörperungstheorie ikonischer Formen

Herausgegeben von Horst Bredekamp und Marion Lauschke

Im Zentrum der Aufsätze des international renommierten Cassirerforschers John Michael Krois zu Cassirer, Peirce, Wind und Warburg sowie zu kognitions- und bildwissenschaftlichen Fragestellungen stehen die verkörperungstheoretische Transformation der Philosophie und die Bildkompetenz des Menschen. Sie zielen darauf ab, die dualistische Perspektive der Bewusstseinsphilosophie durch ein komplexes Verhältnis von gegenseitiger Beeinflussung von Bewusstsein und Körper im Prozess des aktiven Navigierens in der Welt und der Schaffung symbolischer Welten zu ersetzen. Aus dem Inhalt: Kunst und Wissenschaft in Edgar Winds Philosophie der Verkörperung / Cassirer’s „Prototype and Model“ of Symbolism / Die Universalität der Pathosformeln / Cassirer‘s philosophy of Biology / The Semiotic Programs of Peirce and Cassirer / Für Bilder braucht man keine Augen / Synesthesia and the Theory of Signs / Philosophical anthropology and the embodied cognition paradigm / Tastbilder / Experiencing Emotion in Depiction / Körperbilder und Bildschema / Enactivism and Embodiment in Picture Acts u.a.
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Band 3 Thomas Gilbhard

Vicos Denkbild. Studien zur ‚Dipintura‘ der Scienza Nuova und der Lehre vom Ingenium

Mit seiner Scienza Nuova hat Giambattista Vico (1668–1744) nicht nur einen umfassenden Entwurf einer Kulturphilosophie vorgelegt, sondern zugleich ein Exempel spätbarocker Bildphilosophie. Den Zugang zu diesem Hauptwerk Vicos stellt ein Bild dar, die sogenannte ,Dipintura‘, welches gemäß der Intention des Autors die „Idee des Werkes“ verkörpern soll. Die Studie zu „Vicos Denkbild“ geht anhand einer detaillierten Betrachtung der Originaldrucke der spekulativen Bedeutung dieser Buchillustration nach, in deren Zentrum die Figur der Metaphysik steht. Mit Bezugnahme auf die in der Scienza Nuova entwickelte ›poetische Logik‹ erweist sich dabei die Lehre vom Ingenium als epistemologische Grundlage solchen Bilddenkens.
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Band 4 Stefan Trinks

Antike und Avantgarde Skulptur am Jakobsweg im 11. Jahrhundert: Jaa – León – Santiago

Angesichts des alle Konventionen sprengenden Antikengehaltes der Skulptur der drei Pilgerwegskirchen in Jaca, Léon und Santiago scheint sich die Antike in Nordspanien bis in das elfte Jahrhundert kontinuierlich fortgesetzt zu haben. Voraussetzung für diese Bildsprache war die enorme künstlerische Freiheit, die aufgrund besonderer historischer Faktoren entlang des Pilgerwegs herrschte. Die Bildhauer traten in direkten Wettstreit mit antiker Skulptur, und durch das Nachvollziehen eines Orestessarkophags aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert vermochte es eine einzige Künstlergeneration, den Stil der Romanik nahezu allein aus dieser anverwandelten Antike heraus zu entfalten. Erstmals wird im vorliegenden Band der Gesamtbestand dieser an antiken Formen orientierten Skulptur des elften Jahrhunderts am Jakobsweg betrachtet, die einen neuen Erfahrungs- und Handlungsraum eröffnete.

 

Band 5 Das bildnerische Denken: Charles S. Peirce

Herausgegeben von Franz Engel, Moritz Queisner und Tullio Viola

„I do not think I ever reflect in words: I employ visual diagrams […]“ Diese Selbstbeschreibung von Charles S. Peirce (1839-1914) bildet den Ausgangspunkt für eine neue Sicht auf das Denken des amerikanischen Naturwissenschaftlers, Philosophen und Begründers des Pragmatismus und der Semiotik. Peirce war ein obsessiver Zeichner. Neben einer graphischen Logik entwickelte er eine zeichnerische Praxis, die untrennbar mit seinem Denken verwoben war, in ihrer philosophischen Relevanz aber bislang übersehen wurde. Der Band versammelt konkrete Fallstudien zu zahlreichen hier erstmals publizierten Zeichnungen von Peirce. Auf der Basis dieses Materials fragt er nach der allgemeinen Bedeutung dessen, was es heißt, in Bildern zu denken. 

Mit Beiträgen von John Michael Krois, Helmut Pape, Sun-Joo Shin, Frederik Stjernfelt u.a.
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Band 6 Verkörperungen

Herausgegeben von André L. Blum, John M. Krois, Hans-Jörg Rheinberger

Dem Paradigma der verkörperten Kognition zufolge bilden die Bewegungen eines Körpers die Voraussetzung dafür, dass sich intelligentes Verhalten entwickeln kann. Auch Affekte und weitere somatische Dimensionen bestärken die kognitionswissenschaftliche Grundannahme, dass Intelligenz verkörpert ist. Neben diesem Begriff des ,embodiment‘ existieren jedoch zahlreiche andere Bedeutungen von ,Verkörperung‘. So kann mit diesem Begriff gemeint sein, eine Idee oder Eigenschaft zu personifizieren oder ein Abstraktum zu konkretisieren, wie etwa die Fleischwerdung Gottes, das Spielen einer Rolle oder das Tragen einer Maske. Die Beiträge dieses Bandes diskutieren den Begriff der Verkörperung daher interdisziplinär. Sie reichen von der Neurophysiologie über die Epistemologie bis zur Kunstgeschichte und zu den Literatur- und Theaterwissenschaften.

Band 7 Das haptische Bild
Körperhafte Bilderfahrung in der Neuzeit

Hrsg. v. Rath, Markus / Trempler, Jörg / Wenderholm, Iris

Die körperlich-plastische Wirkung von Artefakten stellt eine maßgebliche Grundlage ihrer bildaktiven Kompetenz dar. Im Gegensatz zur Auffassung, dass Bilder als virtuelle Medien allein dem Visus verpflichtet seien, steht die Erkenntnis einer Bildwahrnehmung, die stets auf mehrere Sinne ausgerichtet ist. In diesem Band sind Beiträge versammelt, die exemplarisch den Status von Bild und Rezipient im Bezug auf taktile und haptische Reize und Sinneswahrnehmungen von der Neuzeit bis zur Moderne analysieren. In drei kategorialen Hauptfeldern – Sujet, Material und Wahrnehmung – wird das körperlich aktivierende Potential sowohl zwei- als auch dreidimensionaler Bilder erörtert, welches diese als formbare Modelle, kreative Bildschöpfungen oder raumgreifende Werke entfalten.

 

Band 8 Kultur des Diagramm

Hrsg. v. Bender, John / Marrinan, Michael

Die Autoren eröffnen in ihrem Buch eine neue Sicht auf Bild und Wort beziehungsweise artikulierte und dichte Systeme im Sinne Goodmans, die sie zu einem instruktiven Diagrammkonzept zusammenführen. Diagramme sind Amalgame des Erkennens. Sie sind aber auch innerweltlich vorfindbare Gegenstände, mit denen kognitiv gearbeitet wird. Diagrammatisches Denken eröffnet Querverweise und ermöglicht so eine relationale, vom Erkennenden aktiv betriebene Urteilsbildung. Es führt zu einem Wissen, das konkret und prozesshaft ist.

Band 9 Bodies in Action and Symbolic Forms
Zwei Seiten der Verkörperungstheorie

Hrsg. v. Bredekamp, Horst / Lauschke, Marion / Arteaga, Alex

Forschungen zur verkörperten Intelligenz und zu den symbolischen Vermittlungen des menschlichen Geistes werden bislang zumeist in getrennten Disziplinen betrieben. Die aus der Kulturphilosophie, Kunst- und Bildwissenschaft, Theologie, Medizin, Psychiatrie, Psychologie und Kognitionswissenschaft stammenden Beiträge des Bandes vereint jedoch das gemeinsame Ziel, einen umfassenden Begriff von Verkörperung zu entwickeln, der die Grenzziehung zwischen kulturalistischen und naturalistischen Ansätzen überwindet.

 

Band 10 Sonne, Mond und Venus
Visualisierungen astronomischen Wissens im frühneuzeitlichen Rom

Feist, Ulrike

Die Geschichte der Wissenschaften ist eine Geschichte der Verbildlichung. Der Band stellt zwei Fallbeispiele frühneuzeitlicher Visualisierungen astronomischen Wissens vor: eine monumentale Spiegelsonnenuhr von 1644 und ein Buch über den Planeten Venus von 1728. Es wird gezeigt, dass eine erfolgreiche Rezeptionsgeschichte unter Umständen weniger von der Korrektheit des visualisierten Wissens abhängig war, sondern vielmehr durch die jeweiligen Strategien der Verbildlichung und Evidenzerzeugung beeinflusst wurde. Die Untersuchung der Problemfelder der ausbleibenden Rezeption und des wissenschaftlichen Irrtums führt dabei ebenso zu weitreichenden Erkenntnissen über die wissenschaftliche Theorie und Praxis wie das Verfolgen von Erfolgsgeschichten.

 

Band 11 Paragone als Mitstreit

Hrsg. v. van Gastel, Joris / Hadjinicolaou, Yannis / Rath, Markus

Der Band eröffnet einen neuen Zugang zur Paragone-Debatte der Frühen Neuzeit im Sinne eines produktiven Mitstreitens. Dies betrifft im Speziellen die Rolle zwischen Malerei und Skulptur, im Allgemeinen das Verhältnis zwischen Natur und Kunst. Deren Beziehung soll als eine osmotische verstanden werden, wie sie sich etwa in der Kunstkammer verkörpert. Wenn sich in visuellen Bildformen körperlich-haptische Eigenschaften einschreiben, Farbe als bildhauerisches Mittel verwendet oder Skulptur zum Bild wird, ikonographische und stilistische Zitate eingesetzt oder künstlerische Stile weiterentwickelt werden, beschreibt dies immer auch ein Ringen um die adäquate Ausdrucksform. Die Ergänzungserscheinungen der Gattungen verweisen auf eine Praxis, die Bilder stets plurimedial versteht.

 

Band 12 Bildakt at the Warburg Institute

Hrsg. v. Marienberg, Sabine / Trabant, Jürgen

In der Tradition Warburgs stehend präsentiert die Kolleg-Forschergruppe Bildakt und Verkörperung im Londoner Warburg Institute einen Einblick in ihre gemeinsame Arbeit: Bildakt at the Warburg Institute versammelt vielfältige Erkundungen zu Geschichte, Philosophie und Anthropologie des Bildakts, wissenschaftstheoretischen und methodischen Aspekten der Bildakttheorie, der Rolle der Bildwahrnehmung in der Philosophie des Extended Mind, Phänomenen haptischer Bilderfahrung in Mittelalter und Früher Neuzeit, körpergebundenen Kommunikationsprozessen, zeichenphilosophischen Aspekten des ikonologischen Denkens und der lebendigen Dynamik innerer und äußerer Bewegung in Bild und Sprache.

 

Band 13 Naturform und bildnerische Prozesse
Elemente einer Wissensgeschichte in der Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts

Felfe, Robert

Was eigentlich bedeutet „Nachahmung der Natur“? Im Horizont dieser Frage rekonstruiert das Buch paradigmatische Verschränkungen von künstlerischer Praxis, Bildtheorie und Naturwissen. Im Zentrum stehen dabei Naturabgüsse und Fossilien sowie das Zeichnen und angewandte Perspektive. Zu den Protagonisten gehören Künstler wie Wenzel Jamnitzer und Bernard Palissy, Sammler wie Ferrante Imperato und Rudolf II. oder Autoren wie Fabio Colonna und François Niceron. Die kontrastive Gegenüberstellung von Verfahren indexikalischer Bildgebung und Spielarten der zeichnerischen Konstruktion gibt neue Einsichten in Probleme der Form und in Formprozesse als Interaktionen in einem starken Sinne zwischen den Künsten und Natur.

 

Band 14 Tyrann und Märtyrer
Bild und Ideengeschichte des Rechts um 1600

Behrmann, Carolin

Ende des 16. Jahrhunderts ist in ganz Europa eine gewaltige Bildproduktion des christlichen Martyriums zu verzeichnen. Im Umkreis des Jesuitengenerals Claudio Acquaviva werden Kirchen und Kollegien mit grausamen Opfertoden ausgekleidet, die dann über Druckwerke weltweite Verbreitung finden. Jene Bilder, die das Gesetz, die Entscheidung und die Handlungen tyrannischer Regime als Folterqualen der Märtyrer visualisieren, warnen vor einer Bedrohung der eigenen Rechtsordnung. Die binäre Opposition von Gut und Böse ist nicht allein konfessionell oder politisch zu deuten, sondern als Verhandlung moralisch-juridischer Prinzipien. Die Bilder von Märtyrern und Tyrannen werden somit erstmals sowohl als Figuren der Theologie als auch des zeitgenössischen Rechtsgedankens evident.

 

Band 15 Das Entgegenkommende Denken

Hrsg. v. Engel, Franz / Marienberg, Sabine

Etwas in der Welt reißt sich los, springt hervor, kommt entgegen… Die Welt, die da entgegenkommt, ist eine lebendige. Dies gilt nicht nur für die vorgefundene natürliche Welt, sondern auch für die Hervorbringungen des Menschen, die ihm in Form seiner Artefakte – vom Faustkeil bis zur Sprachtheorie – ebenso objekthaft wie zur Gestaltung herausfordernd entgegenkommen. Die Autoren dieses Bandes versuchen in theoretischer wie in konkret anschaulicher Auseinandersetzung den Denkbewegungen zwischen Form und Formprozess, Bild und Bildakt, Repräsentation und Präsenz auf die Spur zu kommen.

 

Band 16 Formwerdung und Formentzug

Hrsg. v. Engel, Franz / Hadjinicolaou, Yannis

Der Prozess der Formung beginnt mit der Auseinandersetzung mit dem Chaos, einer immer wieder aktualisierten Anspielung auf die göttliche Schöpfung. Dieser Topos des Anfangs – das weiße Blatt Papier, der Farbfleck, die kalte Tonmasse oder die klaffende Baulücke – war seit Plinius ein zentrales Element des Sprechens über Bilder, und er fand in der Kunsttheorie seine Fortsetzung.
Wenn den Dingen allerdings ihre Form entzogen wird, so scheint die Gegenhandlung im Spiel zu sein. Die materialästhetische Debatte des Formlosen steht von Beginn an unter der Bedingung dessen, dass Materie an sich formlos ist.
Der vorliegende Band mit Beiträgen international renommierter Wissenschaftler versucht Formwerdung und Formentzug als Vorgänge zu verstehen, die gleichermaßen am Zuge sind, sobald Kunstwerke ihre Wirkmächtigkeit entfalten.

 

Band 17 „Violenza“
Gewalt als Denkfigur im michelangelesken Kunstdiskurs

Plackinger, Andreas

In Michelangelos Werk, seinem Künstlermythos und seiner Nachfolge ist Gewalt omnipräsent: als Bildthema wie als Erzählmotiv zur Veranschaulichung von Kreations- und Rezeptionsprozessen. Ausgehend von der Semantik des Begriffs „Violenza“ im Sprachgebrauch des 16. Jahrhunderts, legt diese Arbeit Gewalt als zentrale Kategorie des michelangelesken Kunstdiskurses frei, die es ermöglichte, Aspekte wie Kraft, Zerstörung und kalkulierten Regelverstoß konzeptuell fassbar zu machen.
Anhand zahlreicher Werk- und Textanalysen wird die Gewaltaffinität von Michelangelos sprichwörtlicher „Terribilità“ ebenso beleuchtet wie die kunsttheoretischen Vorstellungen von gewaltsamer künstlerischer „Agency“ im Umfeld des legendären Ausnahmekünstlers.

Band 18 Denkende Körper – Formende Hände
Handeling in Kunst und Kunsttheorie der „Rembrandtisten“

Hadjinicolaou, Yannis

Handeling bedeutet im Niederländischen nicht nur die Handhabung des Instruments (Manier), sondern auch Aktion und ist unmittelbar mit der Motorik und so mit dem gesamten Körper verbunden. Das Performative des Farbauftrags als kognitiver Prozess wurde nicht nur in der Praxis der späten Rembrandtisten thematisiert, vor allem bei Arent de Gelder, sondern auch in der Theorie von Samuel van Hoogstraten.

Diese Studie untersucht zum ersten Mal das Handeling in Theorie und Praxis der Zeit von 1650 bis 1720. Sie geht dabei verschiedenen Aspekten der Rembrandtschen Praxis nach, die von den späten Schülern und nicht bloß mimetisch, sondern produktiv weiterverfolgt wurden, wie etwa die „denkende Hand“, Farbe als Material oder das Verhältnis zwischen Nah und Fern bei der Bildwahrnehmung.

Band 19 Die Gliederpuppe
Kult – Kunst – Konzept

Rath, Markus

Seit Jahrtausenden werden bewegliche Menschenfiguren gefertigt. Die Varianten der Gattung „Gliederpuppe“ reichen von einfachen Statuetten über standardisierte Modelle bis hin zu hochkomplexen Preziosen. Die Monographie leistet erstmals eine grundlegende Erforschung beweglicher Skulpturen in Menschengestalt. Sie beschreibt die kulturelle Verankerung der Gliederpuppe im christlichen und profanen Kult seit der Antike, aber auch innerhalb der modernen Kultur und Wissenschaft. Sie verfolgt ihren Einsatz als Modell und Inspirationsquelle in der Künstlerwerkstatt der Neuzeit und analysiert ihren Wandel vom verheimlichten Modell zu einem Symbol der Moderne. Stets erweist sich die Gliederpuppe als ein entscheidendes Mittel und Merkmal menschlichen Gestaltens.

Band 20 Versinnlichung
Kants transzendentaler Schematismus und seine Revision in der Nachfolge

Gasperoni, Lidia

Wird die Verbindung von Materie und Form, Begrifflichkeit und Sinnlichkeit, von Sinnlichem und Unsinnlichem zum Problem, so geistert in der Geschichte der Philosophie seit der Antike der Begriff des Schemas herum und ist auch heutzutage etwa in Theorien der Verkörperung zentral. Während Kant das Schema als Bedingung der Bedeutungsentstehung versteht und in kritischer Absicht von Bildern, Zeichen und Symbolen abgrenzt, ordnen Maimon, Hamann, Herder, Hegel und später Plessner dem Schematismus sinnliche und sprachliche Prozesse einer Morphogenese zu. Diese Revisionen geben Anlass zu einer neuen Theorie des Schematismus, in welcher der Versinnlichung der Status einer transzendentalen Bedingung der Verkörperung zukommt. So verstanden hat Versinnlichung als systematischer Kern der aktuellen Sprach- und Erkenntnistheorie zu gelten.