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Auflicht und Durchlicht: Ein Bildpaar für durchscheinende Bildträger

Vor einer gleichmäßig leuchtenden Fläche hängt ein dünner, bemalter Bildträger. Die Kamera steht frontal auf dem Stativ; die Bildforscherin verändert weder Abstand noch Ausschnitt. Im ersten Foto fällt das Licht von vorn auf die Oberfläche. Im zweiten kommt es von hinten durch das Material. Farbe, Nähte und Fehlstellen bleiben an derselben Stelle, wirken aber nicht gleich.

Gerade diese Differenz macht das Paar nützlich. Die Auflichtaufnahme beschreibt, was an der Oberfläche zurückgeworfen wird. Die Durchlichtaufnahme zeigt, wo Licht den Träger stärker oder schwächer durchdringt. Keine der beiden Ansichten ist die „wahre“ Version des Objekts. Zusammen halten sie zwei festgelegte Beobachtungsbedingungen auseinander und verhindern, dass eine Eigenschaft der Beleuchtung unbemerkt als Eigenschaft des Bildes ausgegeben wird.

Das Canadian Conservation Institute zeigt normale Beleuchtung und Durchlicht als getrennte Untersuchungstechniken. In seinem Lehrmaterial wird Durchlicht unter anderem genutzt, um Unterschiede in der Dicke sowie Löcher und Risse sichtbar zu machen; als Beispiel erscheint auch ein besticktes Seidenobjekt. Für die fotografische Dokumentation folgt daraus kein allgemeines Rezept, wohl aber eine klare Regel: Die Beleuchtungsart gehört zur Aussage des Bildes und muss mitgespeichert werden.

Eine Aufnahme beschreibt die Oberfläche, die andere den Lichtweg

Im Auflicht werden Glanz, matte Zonen, Pinselspuren, Falten und aufliegende Partikel gut vergleichbar, sofern Richtung und Härte des Lichts dokumentiert sind. Im Durchlicht treten andere Beziehungen hervor: dünnere und dichtere Bereiche, Überlagerungen, Risse, Löcher oder ungleichmäßige Faserstrukturen. Was heller erscheint, lässt zunächst nur eine Aussage über die Lichtdurchlässigkeit unter dieser Anordnung zu. Ob dort Material fehlt, ausgedünnt ist oder anders aufgebaut wurde, muss durch weitere Beobachtungen geklärt werden.

Bildforscherin fotografiert einen durchscheinenden Bildträger vor einer gleichmäßig leuchtenden Fläche aus fester Kameraposition
Redaktionell generierte Illustration: Aufnahme eines durchscheinenden Bildträgers mit rückwärtiger Beleuchtung.

Wie stark sich die Lesbarkeit ändern kann, zeigt eine Untersuchung des Metropolitan Museum of Art. Bei Picassos Three Nudes machte Durchlicht Unterschiede in Dichte, Farbe und Textur des Trägers sichtbar. Zusammen mit Infrarotaufnahmen und digitaler Auswertung ließen sich überdeckte Bildschichten untersuchen. Entscheidend ist nicht, diesen Einzelfall auf jedes Objekt zu übertragen. Er zeigt vielmehr, dass ein durchscheinender Träger eine zweite sichtbare Ordnung besitzt, die im Auflicht leicht verborgen bleibt.

Das Bildpaar beantwortet deshalb eine eng begrenzte Frage: Was ändert sich, wenn nur der Lichtweg wechselt? Es soll weder eine technische Diagnose ersetzen noch aus Helligkeitsunterschieden unmittelbar eine Herstellungsgeschichte ableiten. Seine Stärke liegt darin, Oberfläche und Transmission in eine überprüfbare Beziehung zu setzen.

Nur ein kontrolliertes Paar bleibt vergleichbar

Damit die Differenz lesbar bleibt, erhalten beide Aufnahmen denselben Bildausschnitt. Kamera, Objekt und Maßstab behalten ihre Position; auch Fokuspunkt, Brennweite und Ausrichtung werden nicht zwischen den Bildern neu gewählt. Eine kleine Farb- und Maßreferenz darf außerhalb der bemalten Fläche liegen, sofern sie den Träger nicht berührt oder verdeckt. Muss das Objekt aus Sicherheitsgründen anders gestützt werden, beginnt eine neue dokumentierte Serie statt eines scheinbar identischen Paars.

Zuerst wird eine neutrale Auflichtaufnahme angefertigt und eindeutig benannt. Danach wird die vordere Beleuchtung ausgeschaltet und eine kühle, gleichmäßige Lichtfläche hinter dem Träger aktiviert. Belichtungszeit und gegebenenfalls ISO dürfen sich ändern, weil die Lichtmenge verschieden ist; Blende, Kameraposition und Ausschnitt bleiben dagegen stabil. Die Metadaten nennen beide Belichtungen, den Weißabgleich und die Lichtquellen. So lässt sich später unterscheiden, ob ein visueller Sprung vom Objekt, vom Licht oder von der Aufnahmeentscheidung stammt.

Der Aufbau richtet sich nach dem empfindlichsten Bestandteil. Das Objekt wird nicht gegen eine heiße Lampe gedrückt, nicht an einer unklaren Kante eingeklemmt und nicht für die Aufnahme neu gespannt. Dass professionelle Digitalisierung auch Negative, Glasplatten und andere durchscheinende Vorlagen erfasst und dabei strenge Qualitätskontrollen verlangt, beschreibt The National Archives in seinem Überblick zu Digitalisierungsleistungen. Für ein einzelnes Forschungsbild bedeutet das: geeignete Auflage, Abstand, Licht und Dateikontrolle werden gemeinsam geplant, nicht erst nach der Aufnahme ergänzt.

Konkrete konservatorische Hinweise müssen zum Objekttyp passen. Die CCI-Notiz zu Gemälden nennt kurze Beleuchtungszeiten, kühle Lichtquellen, gepolsterte Unterstützung und Durchlicht als Untersuchungstechnik. Ihre dort genannten Abstände beziehen sich auf die Untersuchung von Gemälden und sind kein Universalwert für Papier, Seide, Film oder Pergament. Für andere Träger werden sichere Distanz, Dauer und Halterung neu festgelegt.

Vor dem Abbau wird das Paar auf Schärfe, vollständige Ränder und unbeabsichtigte Reflexe geprüft. Eine zusätzliche Aufnahme des Aufbaus kann zeigen, wo Lichtfläche, Objekt und Kamera standen, gehört aber nicht als dritte Variante in das Vergleichspaar. Die beiden Forschungsdateien behalten eine gemeinsame Kennung mit den Zusätzen für Auflicht und Durchlicht; Bearbeitungskopien werden getrennt von den unveränderten Aufnahmen gespeichert.

Die Differenz ist ein Befund, keine Diagnose

Bei der Auswertung werden zuerst nur sichtbare Unterschiede beschrieben. Eine helle Zone im Durchlicht ist durchlässiger als ihre Umgebung; eine dunkle Linie lässt weniger Licht passieren; eine Überlagerung zeichnet sich anders ab als im Auflicht. Wörter wie Riss, Reparatur, Vorzeichnung oder Materialverlust folgen erst, wenn die Form im Auflicht, im Durchlicht und gegebenenfalls in einer weiteren Untersuchung übereinstimmend belegt ist.

Auch ein negatives Ergebnis bleibt sinnvoll. Wenn sich eine vermutete Naht im Durchlicht nicht absetzt, dokumentiert das Paar die Grenze dieser Methode unter den gewählten Bedingungen. Aufnahmezeit, Dateinamen, Lichtquellen, Belichtung und eine knappe Beschreibung des Aufbaus bleiben deshalb beim Bildsatz. So kann eine spätere Untersuchung dieselbe Frage erneut stellen, ohne eine scheinbar genaue Beleuchtung aus dem Foto erraten zu müssen.

Ein belastbares Auflicht-Durchlicht-Paar macht das Objekt nicht vollständig transparent. Es trennt zwei Arten des Sehens. Die eine hält die sichtbare Oberfläche fest, die andere verfolgt den Weg des Lichts durch den Träger. Erst weil Kamera, Lage und Ausschnitt gleich bleiben und die Unterschiede vorsichtig benannt werden, wird aus zwei attraktiven Aufnahmen eine überprüfbare bildwissenschaftliche Quelle.

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